Rotweine,  Weinprobe

Scherr St. Laurent: die Krone des Understatements

Ein Pfälzer Rotwein. Aus dem Eichenholzfass. Ganze 12 Monate war er da drin. Und kommt für kaum mehr als sechs Euro von dort in die Flasche und schließlich ins Glas. Dann noch St. Laurent – eine Traube, die sich hierzulande eher weiter hinten in Sachen Bedeutung einordnet. Kann das was sein?

Rockt einfach im Hintergrund.

Oh ja. Und wie sogar. Zumindest, wenn es um den St. Laurent des Weinguts Scherr geht. Das hatte ich ohnehin schon für sein Understatement ausgezeichnet, wenn es um die Qualität der Weine und die damit verbundenen Preise geht. Scherrs St. Laurent versteht es, sich vom Einheitsbrei in dieser Preisklasse abzusetzen. Alleine die Nase beeindruckt er schon ausführlich zu Beginn. Da kommen schöne Noten von dunkelroter Frucht durch, die sich dann auch am Gaumen fortsetzen. Pflaume, Kirsche, ein wenig Beerenmix. Insgesamt dominiert die Frucht, wirkt aber alles andere als aufdringlich. Der Wein ist recht sanft und schön harmonisch. Die Holznote setzt dann ein kleines i-Tüpfelchen, versteht es aber, sich genau wie alle anderen Aromen-Facetten zurück zu halten, um einfach ein Teil des Großen und Ganzen zu sein.

Ja, es gibt einige gute und auch sehr gute deutsche Rotweine in dieser Preisklasse, man muss nur etwas mehr nach ihnen suchen. Das Besondere an dem St. Laurent von Scherr sind das Gesamtbild und die Einsatzfähigkeit. So präzise, so stimmig erlebt man das extrem selten. Und das macht diesen Roten sicherlich zu einem herausragenden Alltagswein. Aber eben auch einen, der sich für besondere Anlässe sehen lassen kann. Es ist dieser eine, der sich aus der Masse absetzt.

Vergleichen wir es mit der Musikwelt: Da rennt man dutzende Male auf Konzerte der ganz Großen, hört sich auf Festivals massenhaft Bands an. Und dann ist es die eine. Die, die als Vorband mittourt. Die, die Sonntagnachmittag um 16.20 Uhr spielt. Und die aber so herausragend gut ist, dass man sie ab sofort zu Hause in die Sammlung aufnimmt.

Scherr St. Laurent 2017 (Hainfeld)

Trink ihn, wenn: du einen starken neuen Alltagswein suchst

Lass ihn links liegen, wenn: die Sache mit dem Understatement dir einfach zu viel Understatement ist

Weindezibel: 9,5/10

Preis: ca. 6,50 Euro

Hinweis: Die Preisangabe ist ohne Gewähr und stellt zum Zeitpunkt der Artikelveröffentlichung einen unverbindlichen Durchschnittswert inkl. Rundung dar. Unsere Kriterien für das Weindezibel findet ihr hier.

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